Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
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ADHS: Gruppentherapie oder kurze unterstützende Gespräche?
Autor*in Studienreferat
Dr. Jan Philipp Klein, Lübeck
Quelle
ADHS: Gruppentherapie oder kurze unterstützende Gespräche?. PSYCH up2date 2016; 10(02): 92 – 93. doi:10.1055/s-0042-101737
Fazit
Die in dieser Studie untersuchte Gruppentherapie ist nicht wirksamer als eine wöchentliche Betreuung der Patienten mit unterstützenden Gesprächen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Psychotherapie für Patienten mit ADHS wirkungslos ist. Denkbar ist beispielsweise, dass die unterstützenden Gespräche besser als die Gruppentherapie geeignet waren, auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten einzugehen. Es bleibt zu untersuchen, ob eine Psychotherapie im Einzelsetting im Vergleich zu einfachen unterstützenden Gesprächen nicht doch überlegen ist.
ADHS wächst sich nicht immer aus. Im Gegenteil: etwa jeder 40. Erwachsene leidet daran. Methlyphenidat gilt in den Leitlinien als Behandlung der 1. Wahl für diese Patienten. Ob eine strukturierte Psychotherapie einen zusätzlichen Nutzen besitzt, war bislang nicht ausreichend untersucht.
Daher randomisierten die Forscher 433 Patienten. Sie nahmen entweder an einer Gruppentherapie teil oder an unterstützenden Gesprächen. Zusätzlich erhielten sie entweder Methylphenidat oder ein Placebo. Die Wirkung der Behandlung wurde gemessen anhand der durch Experten eingeschätzten Schwere der ADHS-Symptomatik.
Die Gruppentherapie basierte auf der für Borderline-Patienten entwickelten dialektisch-behavioralen Therapie. Im Mittelpunkt stand die Vermittlung und Einübung von Achtsamkeitsfertigkeiten. Daneben wurden Informationen zu ADHS gegeben und Fertigkeiten vermittelt, u. a. zum Umgang mit Chaos im Leben, Depression und Suchtmitteln. Die Gruppentherapie fand in den ersten 3 Monaten wöchentlich, dann monatlich statt. Die unterstützenden Gespräche für die Vergleichsgruppe wurden in derselben Frequenz angeboten.
Am Ende der wöchentlichen Termine ging es den Patienten, die wöchentliche Gespräche erhielten, etwas besser als denen, die an der Gruppentherapie teilnahmen. Der Unterschied verfehlte jedoch knapp die statistische Signifikanz. Die aus den Daten im Anhang des Papers errechneten Effektstärken zwischen diesen beiden Gruppen sind demzufolge auch klein. Die Behandlung mit Methylphenidat war jedoch deutlich wirksamer als das Placebo. Dieser Unterschied war statistisch signifikant und die Effektstärken klein beziehungsweise klein bis moderat.
Ähnliche Ergebnisse fanden sich nach Abschluss der einjährigen Behandlung und nach einem weiteren Jahr Nachbeobachtungszeit. Einzig in der globalen Einschätzung der Wirksamkeit der Behandlung war die Gruppentherapie den unterstützenden Gesprächen überlegen. Bei dieser Skala wird stärker auch das allgemeine Wohlbefinden berücksichtigt als nur die ADHS-Symptome im engeren Sinne.