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Frühe Verordnung von ADHS-Medikamenten im Vorschulalter

Bannett, Y et al., 29. August 2025 - Die Erkennung und Behandlung von Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Vorschulalter ist wichtig, um frühzeitig möglichen sozialen, emotionalen und schulischen Problemen zu begegnen. Die US-amerikanische Praxisleitlinie empfiehlt primär Verhaltensinterventionen. Die medikamentöse Behandlung ist nur Zweitlinientherapie, da die Evidenz für die Wirksamkeit dieser Therapie bei 4- bis 5-Jährigen schwach ist.
Aufgezogene Spritze, Tabletten und Stethoskop

Fazit

Anhand der elektronische Patientenakten lässt sich nicht im Detail beurteilen, warum ein so großer Anteil von Vorschulkindern mit ADHS entgegen der Leitlinienempfehlung so früh nach Diagnose eine Verordnung für eine medikamentöse Therapie erhält. Wichtig wäre die Analyse der klinische Text-Dokumentation, der Präferenzen des Gesundheitspersonals und der Familien, die Schwere der Symptome und des Zugangs zu nichtmedikamentösen Therapieformen, betonen die Autor*innen.

Die Wirklichkeit sieht in den USA anders aus, wie die Studie eines Forschungsteams mit Erstautor Yair Bannett von der Abteilung für Entwicklung und Verhalten in der Pädiatrie der Universitätsklinik in Stanford, Kalifornien, zeigt. Die Gruppe untersuchte Unterschiede in der ADHS-Detektionsrate und im Beginn der Medikation bei Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren in der Primärversorgung. Retrospektiv wurden dazu elektronische Patientenakten aus den Jahren 2016 bis 2023 aus 8 akademischen Einrichtungen des PEDSnet Clinical Research Network ausgewertet, die eine ambulante Primärversorgung für Kinder anbietet.

Drei primäre Endpunkte wurden analysiert: die ADHS-Diagnoserate, die Rate der Verordnung von Stimulanzien oder einer Nicht-Stimulanzien-Therapie vor einem Alter von 7 Jahren und die Zeit von der ersten ADHS-Diagnose (inklusive Diagnosen auf Symptomebene) bis zur Verordnung von AHDS-Medikamenten. Dabei interessierte die Wissenschaftler auch der Einfluss von Institution oder von Faktoren wie Geschlecht, Ethnie, Versichertenstatus und Komorbiditäten auf die Endpunkte.

Ergebnisse

Die Primärversorgungsdaten umfassten Angaben von 712.478 Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren. Im Alter von 4 bis 5 Jahren hatten 9.708 (1,4%) von ihnen eine ADHS-Diagnose erhalten. Die Diagnosehäufigkeit schwankte zwischen den Institutionen von 0,5% bis 3,1%. Das mediane Alter bei ADHS-Diagnose lag bei 5,3 Jahren, gut drei Viertel (76,4%) der Betroffenen waren Jungen.

Von den Vorschulkindern mit ADHS-Diagnose erhielten 6.624 (68,2%) vor einem Alter von 7 Jahren eine Verordnung für eine ADHS-Medikation. 4.092 (42,2%) erhielten die erste Verordnung bereits innerhalb von 39 Tagen nach erster Dokumentation der ADHS-Diagnose, sodass davon ausgegangen werden muss, dass kein ausreichend langer Versuch einer verhaltenstherapeutischen Maßnahme erfolgt war. Der Anteil der raschen Verordnung von Medikamenten nach ADHS-Diagnose schwankte zwischen den Einrichtungen und reichte von 26,0% bis 49,0%.

Es gab Hinweise auf Disparitäten. Kinder mit asiatischer, hispanischer Ethnie oder schwarzer Hautfarbe erhielten nach ADHS-Diagnose seltener eine Verordnung für Medikamente als Kinder mit weißer Hautfarbe. Öffentlich Krankenversicherte erhielten mit etwas größerer Wahrscheinlichkeit eine solche Verordnung als privatversicherte Kinder. Außerdem war die Verordnung wahrscheinlicher bei älteren als bei jüngeren Kindern und bei Jungen wahrscheinlicher als bei Mädchen.