Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
Digitale Intervention hilft, ADHS-Symptome anhaltend zu senken
Autor*in Studienreferat
Friederike Klein, München
Fazit
attexis kann als Ergänzung zu TAU ADHS-Symptome reduzieren und funktionelle und psychosoziale Endpunkte verbessern. Als niederschwellige Maßnahme könnte es eine wertvolle Ergänzung der Routineversorgung sein. Zu T2 hatten sich depressive Symptome und Lebensqualität gegenüber T1 weiter verbessert. Das deutet darauf hin, dass die Betroffenen bei Besserung ihrer Symptome verstärkt am Alltagsleben teilnehmen und adaptive Copingstrategien im Alltag umsetzen können, erläutern die Autor*innen.
In einer pragmatischen randomisiert-kontrollierten Studie prüfte eine deutsche Studiengruppe mit Erstautor Roberto D’Amelio vom Institut für Forensische Psychologie und Psychiatrie der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg die Wirksamkeit der digitalen Intervention attexis (Gaia AG, Hamburg) als Ergänzung zur Standardbehandlung (treatment as usual, TAU) von Erwachsenen mit ADHS. Das vom Anwender selbst gesteuerte, internetbasierte Programm basiert auf den Prinzipien von KVT und Achtsamkeit und kombiniert Psychoedukation, therapeutische Übungen und personalisierte Techniken nach den von den Anwendenden in simulierten Dialogen angegebenen Bedarfen und Präferenzen. Wenn gewünscht, werden motivierende Nachrichten per SMS und E-Mail verschickt und es bestehen Möglichkeiten zur Selbstbeobachtung.
Im Rahmen der Studie konnten 337 Erwachsene mit bestätigter Diagnose eines ADHS randomisiert werden. Eine Gruppe erhielt den Zugangscode für attexis zusätzlich zur TAU, die andere nur TAU mit der Option, nach Ende der Studie ebenfalls den Zugang zu attexis zu erhalten. Der primäre Endpunkt der Studie war die ADHS-Symptomschwere nach dem Gesamtscore der „Adult ADHD Self-Report Scale“ (ASRS) 3 Monate nach Randomisierung (T1). Weitere Endpunkte betrafen funktionelle Beeinträchtigung, depressive Symptome. Selbstwertgefühl und gesundheitsbezogene Lebensqualität. 6 Monate nach Randomisierung (T2) wurden die Ergebnisse erneut überprüft.
Ergebnisse
3 Monate nach Randomisierung lag die Ausfallrate in der Interventionsgruppe bei 9,1%, in der Kontrollgruppe bei 3,5%, 6 Monate nach Randomisierung bei 13,4% und 8,1%. Die mittlere Zeit der Programmnutzung lag zu T1 bei 10,9 (±6,5) Stunden und zu T2 bei 13,3 (±6,9) Stunden mit Nutzung des Programms an 10 beziehungsweise 11 Tagen.
Die Intent-to-Treat-Analyse (ITT) ergab zum Zeitpunkt T1 in der attexis-TAU-Gruppe eine deutlich niedrigere ADHS-Symptomlast als in der TAU-Gruppe. Die für den Basis-Wert adjustierte mittlere Differenz des ASRS-Gesamtwerts der beiden Gruppen betrug -5,0 Punkte, die Effektstärke war mit d=0,85 hoch, der Unterschied signifikant (p<0,001). Die Per-Protokoll-Analyse fiel analog aus (adjustierte mittlere Differenz -5,0 Punkte, d=0,75, p<0,001). Das vorab definierte Kriterium für Ansprechen (≥30% Reduktion im ASRS-Gesamtscore) erreichten im Interventionsarm zu T1 11,6%, im Kontrollarm 1,2% der Teilnehmenden (Odds Ratio [OR] 11,2). Eine Symptomverschlechterung trat mit attexis zusätzlich zu TAU seltener auf (T1: 10,7% vs. 24%; p=0,002).
Auch die sekundären Endpunkte wiesen durchweg auf eine signifikante Verbesserung durch die Hinzunahme von attexis hin und die positiven Effekte der digitalen Intervention zusätzlich zu TAU blieben bis T2 stabil bestehen. Subgruppenanalysen ergaben analoge Ergebnisse unabhängig von Geschlecht, medikamentöser Therapie, Psychotherapiestatus und Behandlungsänderungen. Unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der digitalen Intervention zusätzlich zu TAU wurden nicht berichtet.
attexis wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dauerhaft in die Liste der zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähigen digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) aufgenommen.