BadgesStudien

Langzeiteffekte einer multimodalen Therapie bei Erwachsenen mit ADHS untersucht

Lam AP. et al., 31. Mai 2019 - Patienten mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird eine multimodale Therapie empfohlen. Über die langfristigen Effekte solcher Maßnahmen bei erwachsenen Patienten ist allerdings nur wenig bekannt. A. P. Lam et al. haben hierzu nun neue Ergebnisse vorgelegt.
Aufgezogene Spritze, Tabletten und Stethoskop

Fazit

Laut Studienergebnis verbessert eine 52-wöchige multimodale Therapie bei Erwachsenen dauerhaft die ADHS-Symptome. Methylphenidat erwies sich gegenüber Placebo als effektiver. Signifikante Unterschiede zwischen einer GPT und einer individuellen klinischen Behandlung waren nicht feststellbar.

Die Analyse basierte auf Daten der „Comparison of Methylphenidate and Psychotherapy in Adult ADHD Study“ (COMPAS). Dabei handelte es sich um eine prospektive, multizentrische, randomisierte klinische Studie. Innerhalb dieser wurde bei ADHS-Patienten eine „Cognitive Behavioral Group Psychotherapy“ (GPT) mit einer individuellen klinischen Behandlung und Methylphenidat mit Placebo verglichen (jeweils 1 Jahr Behandlung; 2×2-faktorielles Design). Die Patienten wurden nach Beendigung der Behandlung 1,5 Jahre lang nachbeobachtet. Als primäres Outcome wählten die Autoren die Änderung des „ADHD Index of Conners Adult ADHD Rating Scale“-(CAARS-)Scores über den Zeitverlauf.

Ergebnisse

Zunächst gingen 433 erwachsene ADHS-Patienten in die Studie ein. Letztlich standen Nachbeobachtungsdaten von 256 Patienten (59,1 %) für die Auswertung zur Verfügung. Der Anteil männlicher Studienteilnehmer belief sich auf 49,8 %. Das Durchschnittsalter betrug 36,3 Jahre (Spanne: 18 – 58 Jahre). Bei 251 Patienten wurde der „ADHD Index of CAARS“-Score bestimmt. Dieser betrug zu Beginn über die Studiengruppen hinweg im Durchschnitt 20,6. Im Zuge der Nachbeobachtung verbesserte sich der Score im Fall des GPT-Arms auf im Durchschnitt 14,2 (adjustiert) und im Fall des Arms mit individueller klinischer Behandlung auf 14,7 (Differenz= –0,5; p = 0,48). Unter Methylphenidat war ein Rückgang auf durchschnittlich 13,8 zu verzeichnen und unter Placebo auf 15,2 (Differenz= –1,4; p = 0,04). Während der Nachbeobachtung reduzierte Methylphenidat die Symptome stärker als Placebo. Unter Miteinbeziehung weiterer Instrumente zur Bestimmung der Symptome wie dem „Self-reported ADHD Symptoms Total Score according to the Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Fourth Edition)“ (DSM-IV) der CAARS (adjustierte mittlere Differenz=−2,1; p = 0,04) sowie der „Subscale of reducing pure hyperactive Symptoms“, gemessen mithilfe der „Diagnostic Checklist for the Diagnosis of ADHD in Adults“ (adjustierte mittlere Differenz=−1,3; p = 0,08) zeigten Patienten mit Gruppenpsychotherapie gegenüber solchen mit einer individuellen klinischen Behandlung eine niedrigere Symptomstärke. Keine Unterschiede waren jeweils in Bezug auf Depressionen zu verzeichnen. Weder das Alter der Patienten zu Studienbeginn, das Geschlecht, das Bildungsniveau, der ADHS-Subtyp, Begleiterkrankungen oder die Schwere der ADHS zur Baseline erwiesen sich als prognostische Faktoren für das Outcome.