Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
ADHS mit über 60 – viele Fragen offen
Autor*in Studienreferat
Friederike Klein, München
Originalpublikation
Fischer, S, Nilsen, C. ADHD in older adults – a scoping review. Aging Ment Health 2024; 28: 1189–1196. doi: 10.1080/13607863.2024.2339994.
Fazit
Um das komplexe Zusammenspiel von ADHS-Symptomen, Komorbiditäten und Lebensphasen besser zu verstehen und gezielt Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen mit ADHS entwickeln zu können, ist mehr Forschung in dieser Altersgruppe notwendig, konstatieren die Autor*innen.
Silke Fischer und Charlotta Nisen vom Institut für Gerontologie der Universität von Jönköping, Schweden, werteten die verfügbare Literatur dazu nach dem 5-Stufen-System nach Arksey und O’Malley aus. Die Literatursuche erfolgte in den Datenbanken und Literaturdiensten ProQuest Central, Scopus, PsycInfo, CINAHL und PubMed. Alle englischsprachigen Artikel zum Thema ADHS mit Angaben zu Betroffenen in einem Alter von 60 Jahren und mehr wurden berücksichtigt, wenn sie ein Peer-Review durchlaufen hatten und – bei Primärstudien – wenn sie ein Ethikvotum aufwiesen. In die Auswertung flossen letztlich 17 Artikel ein, die Angaben zu 203 älteren Menschen mit ADHS in westlichen Staaten umfassten.
Ergebnisse
Nach der verfügbaren Literatur persistieren Symptome einer ADHS über das ganze Leben hinweg. Ältere Menschen mit ADHS weisen ähnliche Kernsymptome auf wie jüngere Betroffene (z.B. Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität und Desorganisation), aber die Manifestation und Intensität der Symptome kann sich ändern. Beispielsweise lässt die Hyperaktivität nach, aber es bleiben Unruhe und Schwierigkeiten mit sitzenden Tätigkeiten. Ältere Menschen beschreiben häufig ihre Symptome und Einschränkungen als weniger einschränkend als in ihrer Jugend.
Häufig zeigen sich bei Älteren mit ADHS Einschränkung in kognitiven Bereichen, beispielsweise in Arbeitsgedächtnis, Inhibition oder Verarbeitungsgeschwindigkeit. Möglicherweise haben altersabhängige Veränderungen für Menschen mit ADHS eine größere Bedeutung. Die Überlappung mit demenziellen Symptomen kann nicht ausgeschlossen werden.
Die häufigsten Komorbiditäten bei älteren Menschen mit ADHS waren psychische Erkrankungen, beispielsweise Depression und Angststörung. Ebenfalls häufig wurde Substanzkonsum berichtete, oft kombiniert mit Depression oder Angststörung – möglicherweise als eine Form der Selbstmedikation. Auch im höheren Alter ist eine ADHS mit Herausforderungen wie Schwierigkeiten in Beziehungen assoziiert und Betroffene beklagen soziale Isolation.
Viele ältere Betroffene berichten auch über positive Aspekte der ADHS, beispielsweise höhere Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Bewusstsein für die Vielfalt der Dinge und die Fähigkeit zum Multitasking, wenn Interesse für etwas besteht. Ältere Menschen mit ADHS sind häufig aktiver in ihre Freizeit als Gleichaltrige ohne ADHS. Die Entwicklung von Coping-Strategien bei ADHS kann möglicherweise die Resilienz im späteren Leben verbessern.