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ADHS-Therapie bei Erwachsenen auf dem Prüfstand

Ostinelli, EG et al., Januar 2025 - Nach und nach hat sich die Evidenz für die Pharmakotherapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen verbessert. Es bestehen immer noch Unklarheiten bezüglich der Nutzen-Risiko-Abwägung und der Sicherheit verschiedener Therapieoptionen im Vergleich.
Aufgezogene Spritze, Tabletten und Stethoskop

Fazit

Nur Stimulanzien und Atomoxetin reduzieren im Vergleich zu Kontrollen sowohl nach Selbst- als auch Fremdbeurteilung Kernsymptome der ADHS. Dabei wird Atomoxetin weniger gut akzeptiert als Placebo. Andere wichtige Endpunkte wie die Lebensqualität wurden durch die Pharmakotherapie nicht wirksam verbessert. Für die klinische Entscheidung müssen Vor- und Nachteile der Therapien abgewogen werden, empfehlen die Autor*innen. Langzeitstudien zu alternativen Therapieoptionen sind wünschenswert.

Deshalb führten Edoardo G. Ostinelli von der Abteilung für Psychiatrie am Warneford Hospital der Universität Oxford und Koautor*innen eine systematische Literaturauswertung und eine Netzwerk-Metaanalyse (NMA) durch. Dazu identifizierten sie in verschiedenen Datenbanken bis September 2023 aufgenommene publizierte und nicht publizierte randomisiert-kontrollierte Studien (RCT) zu pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Therapien für Erwachsene mit ADHS. In den RCT mussten Interventionen mit Kontrollen oder jedweder anderen aktiven Intervention zur Behandlung von ADHS-Symptomen bei Erwachsenen (Alter 18 Jahre) mit formal dokumentierte ADHS-Diagnose verglichen werden.

Es gab zwei primäre Endpunkte: die Wirksamkeit der Therapie, definiert als Veränderung der Schwere der ADHS-Kernsymptome nach Beurteilung des Behandelten oder entsprechend der klinischen Einschätzung von Arzt/Ärztin nach 12 Wochen, und die Akzeptanz, gemessen als Therapieabbruch aus jedwedem Grund.

Ergebnisse

In die Auswertung eingeschlossen wurden 113 RCT mit 14.887 Teilnehmenden. Die RCT umfassten zu 55,8% Pharmakotherapien (6.875 Teilnehmende), zu 24,8% Psychotherapien (1.116 Teilnehmende), zu 8,8% Neurostimulation und Neurofeedback (194 Teilnehmende) und zu 85,5% Kontrollbedingungen (Placebo oder Shamintervention; 5.770 Teilnehmende).

Für zwei Therapieformen zeigte sich nach etwa 12 Wochen sowohl in der Selbstbeurteilung wie in der klinischen Fremdbeurteilung eine Reduktion der ADHS-Kernsymptome im Vergleich zu Placebo:

  • für Atomoxetin (standardisierte mittlere Differenz [SMD] bei Selbstbeurteilung -0,38; 95% Konfidenzintervall [KI] -0,56 bis -0,21; bei Fremdbeurteilung -0,51; 95% KI -0,64 bis -0,37) und

  • für Stimulanzien (SMD bei Selbsturteilung 0,39; 95% KI -0,52 bis -0,26; bei Fremdbeurteilung -0,61; 95% KI -0,71 bis -0,51).

Die Verlässlichkeit dieser Ergebnisse ist nach dem Instrument „Confidence in Network Meta-Analysis (CINeMA) sehr niedrig bis moderat.

Nur in der klinischen Fremdeinschätzung verbesserten sich Kernsymptome der ADHS mehr als bei Placebo/Shamintervention bei:

  • Kognitiver Verhaltenstherapie (SMD -0,76; 95% KI -1,26 bis -0,26),

  • kognitiver Remediation (SMD -1,35; 95% -2,42 bis -0,27),

  • achtsamkeitsbasierter Therapie (SMD -0,79; 95% KI -1,29 bis -0,29),

  • Psychoedukation (SMD -0,77; 95% KI -1,35 bis -0,18) und

  • Direkter transkranieller Stimulation (SMD -0,78; 95% KI -1,13 bis -0,43).

Die Akzeptanz war bei allen Therapien ähnlich wie bei Kontrollen mit zwei Ausnahmen. Weniger gut als Placebo toleriert wurden Atomoxetin (Odds Ratio [OR] für Therapieabbruch vs. Placebo 1,43; 95% KI 1,14 bis 1,80; CINeMA: moderat) und Guanfacin (OR 3,70; 1,22 bis 11,19; CINeMA: hoch).