Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
Assoziation von ADHS und Demenz?
Autor*in Studienreferat
Friederike Klein, München
Originalpublikation
Levine, SZ et al. Adult Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder and the Risk of Dementia. JAMA Netw Open 2023; 6: e2338088. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2023.38088.
Fazit
In dieser Geburtenkohorte der Jahrgänge 1933 bis 1952 erhielten 0,7% der untersuchten Erwachsenen in einem Alter von >50 Jahren eine ADHS-Diagnose. Diese Gruppe hatte ein 2,77-fach erhöhtes Demenzrisiko gegenüber denjenigen, die keine ADHS-Diagnose im späteren Erwachsenenalter erhalten hatten. Die Autor*innen schlussfolgern, dass es wahrscheinlich wichtig ist, eine ADHS im höheren Lebensalter verlässlich zu kontrollieren.
Ein Forschungsteam um Stephen Z. Levine von der School of Public Health der Universität von Haifa in Israel untersuchte die Assoziation von ADHS und Demenzrisiko anhand einer prospektiven nationalen Kohorte von 109.218 in den Jahren 1933 bis 1952 geborenen Mitgliedern einer nicht kommerziellen israelischen Gesundheitsorganisation. Voraussetzung war, dass sie am 1. Januar 2003 der Kohorte angehörten, ohne eine Diagnose einer ADHS oder einer Demenz zu haben. Zu diesem Zeitpunkt waren sie 51 bis 70 Jahre alt (mittleres Alter: 57,7 [±5,5] Jahre). Die Nachbeobachtung erfolgte bis zum 28. Februar 2020. Die Diagnosen ADHS und Demenz mussten fachärztlich oder von geschultem Personal nach ICD-9 oder ICD-10 gestellt worden sein. Mit Cox-Regressionsmodellen wurde die Größenordnung des Demenzrisiko ab ADHS-Diagnose im Vergleich zu Personen ohne ADHS-Diagnose quantifiziert. Dabei wurden 18 potenzielle andere Einflussfaktoren berücksichtigt.
Ergebnisse
Im Laufe der Nachbeobachtung erhielten 730 Teilnehmende (0,7%) die Diagnose ADHS und 7.726 Teilnehmende (7,1%) eine Demenzdiagnose. Bei 96 der 730 Personen mit ADHS-Diagnose (13,2%) wurde im weiteren Verlauf eine Demenz diagnostiziert. Von den Personen ohne ADHS-Diagnose erhielten 7.630 von 108.488 (7,0%) eine Demenzdiagnose. In der Primäranalyse ergab sich ein signifikant erhöhtes Risiko einer Demenzdiagnose bei Vorliegen einer ADHS. Die nicht adjustierte Hazard Ratio (HR) betrug 3,62 (95% Konfidenzintervall [KI] 2,92–4,49; p<0,001), die adjustierte HR lag bei 2,77 (95% KI 2,11–3,63; p<0,001). Es wurden 14 verschiedene Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen durchgeführt. 12 dieser Analysen ergaben jeweils ebenfalls eine signifikante Assoziation von ADHS-Diagnose und Demenzrisiko. Hatten die von ADHS Betroffenen eine Therapie mit Psychostimulanzien erhalten, blieb die Assoziation nicht bestehen und es gab einen leichten Trend hin zu einer Umkehr des Risikoverhältnisses bei denjenigen, die zum Ende des Beobachtungszeitraums noch eine ADHS-Medikation erhielten. Möglicherweise gibt es im höheren Alter eine diagnostische Überlappung zwischen ADHS und Demenz, mutmaßen die Autor*innen.